Was wir wollen

… oder „Anarchistische Antifa kurz erklärt“

Widmen wir uns zunächst dem anarchistischen Teil und zitieren hier für Errico Malatesta:

Wir wollen das Wohlergehen der Menschen – aller Menschen, ohne Ausnahme.
Wir wollen, das jeder Mensch sich entwickeln und so glücklich wie möglich sein kann.
Wir glauben nicht, dass einzelne Menschen oder Gruppen die Freiheit und das Glück anderer garantieren können, sondern dass alle Menschen die Bedingungen ihrer Freiheit selbst entdecken und erobern müssen.

Die meisten Menschen haben heutzutage eine etwas verklärte Auffassung von Anarchie.
Durch negative Propaganda ihrer Gegner, ist die Anarchie schon früh als eine Idee einiger weniger unorganisierter Querdenker dargestellt worden und wird bis heute auf die bloße Ablehnung von Staat und Autorität reduziert. In der Popkultur ist der Begriff „Anarchie“ gleichbedeutend mit Chaos und Gewalt.
Dabei ist sie soviel mehr, als das bloße Fehlen von Gesetzen und Autoritäten. Vielmehr verkörpert Sie den Inbegriff von Freiheit.
Anarchie ist Freiheit in Solidarität und somit kann die eigene Freiheit nur soweit gehen, wie sie die des anderen beschneiden würde.
Ein Leben im Sinne der Anarchie, bedeutet das wir alle unsere Gesellschaft selbst organisieren, ohne eine Autorität, die uns vorschreibt wie wir zu leben haben.

Uns ist durchaus bewusst, das ein derartiger gesellschaftlicher Umbruch nicht von Heute auf Morgen zu bewerkstelligen ist und schon gar nicht erzwungen werden kann.

„Nur durch die Harmonisierung von Interessen, durch freiwillige Zusammenarbeit, durch Liebe,
Respekt und gegenseitige Toleranz, durch Überzeugung,
gutes Beispiel und den ansteckenden Charakter von Gutmütigkeit kann und muss sie den Sieg davon tragen.“

In erster Linie geht es uns um ein neues Bewusstsein, eine neue Sicht auf uns als Gesamtheit, als diejenigen, die durch Lohnsklaverei den Industrie-Bonzen ein Leben im Überfluss ermöglichen.
Es gibt allein in Deutschland 36 Milliardäre die zusammen soviel besitzen, wie die reichere Hälfte der Bundesbürger. 36 Familien gegen ca. 41 Millionen Menschen.
Global betrachte, besitzen 10% der Weltbevölkerung rund 90% des gesamten Kapitals.
Dieses Ungleichgewicht muss bekämpft werden. Und zwar gemeinsam!
Die Macht liegt bei den Arbeitern – ohne seine Mitarbeiter, kann der Chef keine Gewinne generieren – und dieses Bewusstsein gilt es zu wecken.

Die Menschen müssen aus ihrer Lethargie erwachen und wieder selbstbestimmt leben,ihnen muss bewusst werden das die „herrschende Klasse“ nichts hat außer ihrer wirtschaftlichen Macht und das Fundament dieser Macht besteht aus der Gesamtheit der Arbeiter und Bürger. Unser Ziel ist es, die Menschen weg von der „was soll ich den dagegen machen…-Kultur“, hin zu einer solidarisch aktivistisch geprägten Kultur zu bringen.

Es geht uns um Solidarität – grenzenlose Solidarität – mit allen Menschen auf unserem Planeten.
Der gesellschaftliche Wohlstand der westlichen Welt, fußt auf der Ausbeutung und Unterdrückung der sogenannten Entwicklungsländern.
Diese Ungerechtigkeit muss abgestellt werden. Durch unser Konsumverhalten können wir massiv den Markt beeinflussen, konsequente Vermeidung von nicht fair produzierten und gehandelten Importwaren, Boykott aller Nestlé Produkte, – weitere Infos – keine Kinderarbeit durch den Kauf von billig produzierten Kleidungsstücken finanzieren, keine Waren bei Amazon bestellen, etc…. um nur einige Punkte zu nennen.

Kommen wir nun zum antifaschistischen Teil.

Auch wenn eine wahrhaft anarchistische Gruppe im Sinne ihrer Ideologie schon antifaschistisch ist, benutzen wir den Begriff „Antifa“ mit direktem Bezug auf die „antifaschistische Aktion“ und wollen damit zum Ausdruck bringen, dass wir gegen jede Form des Faschismus aktiv vorgehen.
„Antifa ist Handarbeit“
Durch Europa geht ein Rechtsruck, die Mitte der Gesellschaft denkt wieder nationalistisch und kommt völkisch daher, es ist wieder hipp Patriot zu sein und sich auf seine ethnologische Identität zu berufen.
Dies ist ein Zustand, der nach unserer Auffassung, abgeschafft werden muss.
Einschluss funktioniert nur durch Ausschluss und Ausschluss führt zum Fremdenhass.

Ein weiteres Thema ist der religiöse Faschismus wie er in den fundamentalistischen Flügeln aller Glaubensrichtungen ausgeübt wird.
Kinder und deren Entwicklung werden im höchsten Maße von religiös verklärten Anschauungen beeinflusst – Beschneidung, Fasten, Hidschāb etc.
Fundamentalistische Religion ist im Kern eine autoritäre und patriarchalische Weltanschauung und widerspricht in allen Belangen unserer Auffassung von Gleichheit und Freiheit.
Auch die gemäßigten Flügel aller Religionen mögen auf den ersten Blick liberal erscheinen, jedoch unterdrücken sie andere Weltbilder auf subtile Art und Weise und erziehen zur Unselbstständigkeit der Menschen.
Wer religiös denkt, wird nie Anarchist werden können und wird sich somit auch niemals wirklich frei entfalten können.
Wenn man Kinder etwa in dem Glauben an Schutzengel auf das Leben vorbereitet, nimmt man ihnen auf gewisse Art die Fähigkeit ihre Situation als das Ergebnis ihres Handelns zu betrachten und somit auch den Willen sich aktiv gegen ihre „gottgegebene Situation“ zu wehren. Wir vertreten die Ansicht, das religiös erzogene Menschen sich eher ihren Lebensumständen hingeben und diese akzeptieren. So ein Verhalten ist natürlich konterrevolutionär und widerspricht somit auf ganzer Ebene unserer anarchistischen Ideologie.
Wir lehnen die Religion als Ganzes ab und treten für eine herrschaftsfreie Welt ein – auch auf der spirituellen Ebene. Religiosität ist zwar ein grundlegendes Menschenrecht und eine Individualfrage, dennoch glauben wir das eine aufgeklärte und freie Gesellschaft keinen Klerus oder andere Kultdiener benötigt, ja sogar ablehnen muss.

Wem der Glaube an göttliche Allmacht begreiflich gemacht war, der konnte für den Glauben an menschliche Macht gewonnen werden.

Erich Mühsam